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Hoch, höher, Höhenangst? VR-App-Anwendungen zur Angstbewältigung

Hoch, höher, Höhenangst? VR-App-Anwendungen zur Angstbewältigung

Bildrechte Titelbild: © Dan Ross - Adobe Stock

VR-App-Anwendungen können sinnvoll zur Überwindung realer Ängste eingesetzt werden. Bildquelle: oekastatic.orf.at

VR-Therapie zum Thema Höhenangst steht schon etwas länger hoch im Kurs. Nachdem eine Studie 2018 erste valide Ergebnisse liefern konnte, informiert nun auch das „Zentrum für Psychische Gesundheit der Universitätsklinik Würzburg“ über erste Studienergebnisse des Projektes „PAN_VR“ (PAN= Psychotherapie bei Angsterkrankungen).

Mittels einer VR-App-Anwendung gibt das Studienteam Menschen zwischen 18 und 65 Jahren die Möglichkeit, sich ihrer Höhenangst virtuell zu stellen, um diese auch in der Realität zu überwinden.

VR-Apps fordern abgrundtiefe Konfrontation

Allein in Deutschland leiden rund 15 Prozent der Bürger unter Angststörungen und Phobien. Sie geraten ins Schwitzen beim Anblick von offenen Plätzen, zu engen Fahrstühlen, Menschenansammlungen oder beim Ausblick aus höheren Stockwerken. Oft wird die Akrophobie, wie die Höhenangst fachlich heißt, von Außenstehenden relativiert: „Stell´ dich nicht so an- es kann doch nichts passieren!“, hören Betroffene dann.

Doch so einfach ist es natürlich nicht.

Mittels Höhenangsttherapie durch VR-App-Anwendungen erfährt der Studienteilnehmer seine spezifische Angstsituation unter dem VR-Headset. Begleitende Therapeuten können das virtuelle Geschehen per Screen verfolgen- ein wesentlicher Vorteil bei der Beurteilung von Lern-Fortschritten. Bildquelle: ukw.de Bildrechte: Lisa Cybinski

Betroffene leiden nicht unter einer rational begründeten Angst, etwa, wenn man sich zu nah an einem Abgrund befindet und der Überlebensinstinkt aktiviert wird. Diese Form der Angst dient praktischerweise dazu, vor realen Gefahren zu warnen.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es jedoch bei Höhenangst-Betroffenen einst zu falschen Verknüpfungen kam, die später eine Umkehr zu vernunftbasiertem Verhalten verunmöglichte. Betroffene meiden dann entsprechende angstbesetzte Settings und verfestigen so erst bestehende Ängste.

Daher ist die gängige Methode zur Behandlung von Höhenangst auch die sogenannte „In-Vivo-Expositionstherapie“: Betroffene lernen sich den angstbesetzten Situationen (dem gefürchteten Stimulus) auszusetzen und bestenfalls gelingt es, entsprechende Ängste Schritt für Schritt abzubauen.

Doch betroffene Klienten fürchten die Exposition oft sehr und die Abbrecherquote ist entsprechend hoch. Auch unter Therapeuten gibt es Vorbehalte gegenüber Expositionstherapien mit Blick auf haftungsrechtliche Fragen und Durchführung (z.B. Sicherstellung, an öffentlichen Plätzen auch genügend Möglichkeit zur Exposition zu haben).

In-Vivo-Expositionen durch VR-App-Anwendungen bieten dagegen einen sehr niedrigschwelligen Einstieg in die Angst-Therapie und angstauslösende Reize können flexibel im Therapieraum simuliert werden, ohne dass aufwendige Planung erforderlich ist.

Der Einsatz der Expositionstherapie kann jederzeit, ortsunabhängig und ohne Rücksicht auf bestimmte Wetterbedingungen erfolgen und beispielsweise vor einer realen Exposition genutzt werden.

„Bislang konnten wir mit Freude feststellen, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich verbessert haben. Durch den Einsatz einer computersimulierten Welt kann die Angst überwunden werden“.

Lisa Cybinski, zuständig für die Diagnostik der VR-Höhenangst-Studie am ZEP Würzburg

Schritt für Schritt aus der Angstzone

giphy.com

Die Forscher in Würzburg untersuchen für ihre Studie auch die Hirnregionen der Betroffenen. Dabei wird zunächst ein Kopf-MRT angefertigt, welches Aufschluss darüber gibt, welche Hirnregionen beim Verlernen der Ängste eine Rolle spielen. Die MRT-Ergebnisse fungieren bei der späteren VR-Exposition als wichtige Ausgangsbasis: Denn kurz vor der Exposition werden Stimuli gegeben, die exakt diese Gehirn-Regionen ansprechen.

Im Gegensatz zur aktiven transkraniellen Magnetstimulation (TMS), erhält eine andere Studiengruppe nur scheinbar eine Gehirnstimulation, einen Placebo. Auf diese Art können die Würzburger Wissenschaftler Zusatzeffekte von TMS prüfen. Über das VR-Headset wird der Betroffene mit Herausforderungen konfrontiert, die sein Gehirn anregen sollen, sich umzustrukturieren und neue Aktivitätsmuster zu trainieren.

Das Training selbst findet in zwei Sitzungen im 3D-Cave des Lehrstuhls für Psychologie statt. Danach sollen die Teilnehmer das während der Sitzung Gelernte sechs Monate lang im Alltag umsetzen.

Am Ende geht es noch einmal in den virtuellen Fahrstuhl zurück und physisch in die Stadt Würzburg hinein- dann wird evaluiert, was die Studienteilnehmer tatsächlich gelernt haben und welche Fortschritte durch die Exposition mittels VR-App-Anwendung stattfinden konnte.

360-Grad-Anwendung „Easyheights“ zur Höhenangstbewältigung: Level für Level aus der Angstspirale…Bildquelle: industrieanzeiger.industrie.de

Fühlt sich der Klient für größere Expositionsschritte bereit, findet ein Perspektivwechsel statt. Bildquelle: 20min.ch

Auch Forscher der Universität Basel haben sich eingehend mit Expositionstherapie unter VR auseinandergesetzt und für eine umfassende Studie weniger mit virtuellen Orten als mit realen 360-Grad-Videos-/Panoramen gearbeitet. Dabei haben Drohnen aus unterschiedlichen Höhen spezifische Orte aufgenommen, die zur Überwindung von Höhenangst geradezu prädestiniert sind.

Die Angstkonfrontation mit der VR-App beginnt etwa auf einer Plattform, die sich nur einen Meter über dem Boden befindet. Nach einer kleinen zeitlichen Gewöhnung und anschließender positiver Rückmeldung wird die Plattform, respektive Sichtperspektive der Teilnehmer, dann ein Stück weiter angehoben. Die Position über dem Boden erhöht sich also langsam aber stetig und Betroffene dürfen sich mit der VR-Therapie der individuellen Angsthöhe stellen. Auch dies ist ein Vorteil der virtuellen Expositionstherapie: die eingesetzten Stimuli können subjektiv zugeschnitten werden und so einen passgenaueren Therapieerfolg sichern!

Eine erste Pilotstudie mit 50 Höhenangst-Patienten unter vierstündigem VR-Höhentraining ergab auch in der realen Welt deutlich weniger Ängste. Die Teilnehmer konnten z.B. den Uetliberg-Turm in Zürich weiter hinaufsteigen als solche Testpersonen, die der Kontrollgruppe angehörten und kein solches Training absolviert hatten.

„Neu ist jedoch, dass Smartphones die virtuellen Szenarien erzeugen und diese sonst technisch aufwendige Therapieform damit deutlich zugänglicher wird.“

Dorothée Bentz, Easyheight-Projekts Uni Basel

Wiederholte Nutzung einer virtuellen Expositionstherapie auf dem Smartphone kann das Verhalten und subjektive Befinden in Höhensituationen deutlich verbessern, so das Resümee der Forscher. Betroffene mit leichten Formen der Höhenangst können sich die kostenlose VR-App „Easyheights“ aus gängigen App-Stores herunterladen und üben. Bei ausgeprägter Höhenangst empfehlen die Wissenschaftler jedoch, die VR-Anwendung nur in Begleitung eines Therapeuten zu nutzen.

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