Sobald das Prinzip der frei wählbaren Perspektive im Video erst einmal verinnerlicht ist, stellt sich im Regelfall die Frage, welche Variante eines 360-Grad-Videos am zielführendsten für die eigene Verwendung ist.

Um diese Frage beantworten zu können empfiehlt sich die genaue Betrachtung der drei möglichen Varianten von 360-Grad-Videos, ebenso ihrer Stärken und Schwächen. „Möglich“ bezeichnet in diesem Falle die technische Machbarkeit der Umsetzung.

Die drei technisch möglichen Varianten von 360-Grad-Video

  1. 360-Grad-Video als Realfilm
  2. 360-Grad-Video als Animationsfilm
  3. 360-Grad-Video als Animationsfilm mit freier Beweglichkeit im Raum

Variante 1: 360-Grad-Video als Realfilm

Hierbei ist der Blickwinkel frei wählbar und die Bewegung ist vordefiniert durch die Kamerafahrt respektive den Standort der Kamera.

(Bitte sehen Sie sich das folgende Beispiel über Ihre Youtube-App auf Ihrem Smartphone oder Ihrem Tablet an, oder auf Desktop/ Notebook über Ihren Chrome- oder Firefox-Browser):

Hierbei wird ein 360-Grad-Video in der real existierenden Welt erstellt – zum Beispiel vor Ort als virtueller Firmenrundgang oder als Dokumentation eines spektakulären Events.

Dazu werden Filmaufnahmen erstellt, die eine sphärische Darstellung der gesamten Umgebung abbilden.

All das geschieht in der Praxis mit mehreren Filmkameras, die gleichzeitig mehrere Perspektiven aufzeichnen. Daraus wird in der Postproduktion ein Film erstellt, der eine 360-Grad-Rundumsicht erlaubt.

Der Vorläufer des 360-Grad-Videos ist das interaktive 360-Grad-Panorama – unten stehend ein Beispiel, das die Aspekteins GmbH bereits vor mehreren Jahren für einen Kunden entwickelt hat.


Diese Technik wurde nun weiterentwickelt zu 360-Grad-Video. Statt einem Bild hat man im Video nun 25 (oder mehr) Bilder pro Sekunde und kommt so von einem 360-Grad-Stand – zu einem 360-Grad-Bewegtbildszenario.

Was sowohl dem 360-Grad-Bild wie auch dem 360-Grad-Video gemein ist, ist der vorgegebene Nadirpunkt. Einfach erklärt ist der Nadirpunkt die Stelle, an der das Stativ mit der Kamera steht (beim 360-Grad-Bild) und respektive beim 360-Grad-Video der Bereich des Films, in dem der Kameramann die 360-Grad-Kamera trägt und bedient. Technisch korrekt beschrieben ist der Nadirpunkt der dem Zenit gegenüberliegende Fußpunkt und liegt auf der Verlängerung der Lotrichtung nach unten. Die meisten Zuschauer kennen den Nadirpunkt aus eigenem Erleben als runde Grafik am Boden einer Panoramaufnahme, der dazu genutzt wird den Standpunkt des Stativs zu retuschieren.

Wie bei einem regulären Film (also ohne die Möglichkeit den Blickwinkel in einem 360-Grad-Radius frei zu bestimmen) ist die Kamerafahrt festgelegt durch die Bewegung des Kamermannes, des Krans oder Dollys, jedoch kann auf dieser Fahrt die Perspektive vom Zuschauer bestimmt werden.

Variante 2: 360-Grad-Video als Animationsfilm

Auch bei dieser Variante ist der Blickwinkel frei wählbar und die Bewegung durch die Kamerafahrt vordefiniert.
(Auch an dieser Stelle einmal mehr der obligatorische Hinweis: Bitte sehen Sie sich das folgende Beispiel für maximale Virtualität über Ihre Youtube-App auf Ihrem Smartphone oder Ihrem Tablet an, oder auf Desktop/Notebook über Ihren Chrome- oder Firefox-Browser.)

Die maßgebliche Gemeinsamkeit des 360-Grad-Animationsfilms mit einem 360-Grad-Realfilm bestehen in der festgelegten Kamerafahrt. Das heißt, der Zuschauer kann seine Perspektive in alle Richtungen frei wählen, jedoch nicht die Kamerafahrt. Diese ist in beiden Fällen vorab definiert. Beim 360-Grad-Animationsfilm ist die Kamerafahrt durch die – ebenfalls festgelegte – Bewegung der virtuellen Kamera bestimmt. Dadurch, dass es sich um eine virtuelle Kamera handelt, die nicht an ein physisch vorhandenes Stativ gebunden ist, entfällt auch sichtbare, in einem 360-Grad-Realfilm jedoch unvermeidbare Nadirpunkt.

Technisch gesehen wird bei einem 360-Grad-Animationsfilm in den 3D-Programmen eine virtuelle Kamera konstruiert, die auf einem definierten Pfad aus mehreren Blickwinkeln Aufnahmen erstellt, die dann wiederum zu einem 360 Grad Film zusammengefügt werden können. Dies ist ein rechenintensives Verfahren – was allerdings die Gestaltungsmöglichkeiten gegenüber der Realfilmvariante nochmals erweitert; nämlich  dahingehend, dass im Rahmen der Animation sämtliche denkbaren Ideen visuell umgesetzt werden können – wie bei unserem obigen Beispiel der Ritt auf dem Rücken eines Adlers.

Variante 3: 360-Grad-Video als Animationsfilm mit freier Beweglichkeit im Raum

Bei dieser Variante ist sowohl der Blickwinkel als auch die Bewegung im Raum frei wählbar. Unten stehender Film ist eine – wohlgemerkt – nicht interaktive Demo eines interaktiven Films, soll heißen die Bewegungsrichtung der Kamera kann zwar theoretisch vom Betrachter bestimmt werden, über die gängigen Web-Browser ist eine derartige Steuerung jedoch nicht möglich.  Um einen derartigen Film interaktiv über Ihr Smartphone erleben zu können bedarf es einer speziellen App. Besagte App wird im Regelfall individuell für jeden Kunden entwickelt, zum Teil aufsetzend auf bestehende Frameworks oder als komplette Individualsoftware.

Die totale Freiheit hinsichtlich Wahl der Blickrichtung und Bewegung wird möglich durch den Einsatz von so genannten Game Engines. Game Engines kommen aus dem Bereich der Computerspielentwicklung und dienen als Basis für die Entwicklung komplexer 3D-Computerspielwelten. Eine der bekanntesten Game Engines ist die Unreal Engine 4, mit ihr wurde auch die obenstehende Demo erzeugt. Dieses Framework können wir nutzen um Ihnen die maximale Freiheit bei der Gestaltung Ihrer Virtual-Reality-Experience zu gewährleisten.

Durch den Einsatz dieser Technologien verwischt die Grenze von Film zu Computerspiel nahezu völlig. Der Betrachter kann sich nun frei im Raum bewegen, frei interagieren mit der virtuellen Umwelt und ebenso frei seine Blickrichtung wählen. Die auf Game-Engines basierende Evolutionsstufe interaktiver 360-Grad-Videos wird nach Einschätzungen unserer Experten spätestens Ende 2017 für den Massenmarkt eine relevant. Dann nämlich werden Smartphones mit hinreichender Prozessorleistung ausgestattet sein um das oben beschriebene Szenario in einer ansprechenden Auflösung abbilden zu können.

Gerne beraten wir Sie, wie die 360-Grad-Video-Technologie auch in Ihrem Unternehmen eingesetzt werden kann und welches 360-Grad-Anwendungsszenario für Ihr Unternehmen am passendsten ist. Nehmen Sie noch heute Kontakt auf mit Ihren 360-Grad-Video-Experten von Aspekteins.

Laden Sie diesen Artikel bequem als PDF Dokument „Welche Arten von 360 Grad Video gibt es?“ herunter.

Hier klicken für Ihr 360 Grad Video

 

Bildrechte: © vege – Fotolia.com

Sascha Reitermann
Dipl.-Inf. (FH) Sascha Reitermann verantwortet den Bereich der Produktionsleitung für Filmprojekte bei der Aspekteins GmbH, sowie die Konzeption digitaler Vermarktungsstrategien für Ihre Bewegtbildinhalte.

Comments are closed.