Ab ins Abenteuer! Innovative Konzepte immersiven Theaters

30. August 2019 Katrin Pape

Ab ins Abenteuer! Innovative Konzepte immersiven Theaters

„Einen anderen Blick auf sich bekommen“: VR und Interaktivität können hier nachhelfen… Bildquelle: schirn.de

Die Vierte Wand durchbrechen…

In einem früheren Artikel berichteten wir bereits über affektive Partizipation, die von immersiv inszenierten Theaterstücken gefordert wird.

Interaktives VR-Theater wie Drawn Me Closer vermag mit einer illustrativen Ebene im Headset den Zuschauer nicht nur innovativ in die Narration einzubinden, sondern präsentiert vor allen Dingen ein hochspannendes VR-Erlebnis: Der passive Viewer wird zum aktiven Handelnden und somit auch kausal zum wichtigen Part des Zwei-Personen-Stückes. Dadurch emergiert er selbst zum Darsteller und trägt die Inszenierung aktiv mit. Aber auch der professionelle Schauspieler interagiert nicht allein innerhalb eines fest inszenierten Rahmens, sondern trifft auf einen dem Ensemble außenstehenden Spielpartner, mit dem er gleichwertig den Plot zum Ausdruck bringen kann (und muss). Vierte Wand adé!

giphy.com

Involviertsein heißt: mehr als nur dabei sein

Zu den Pionieren immersiven Theaters gehören hierzulande Signa.

Die Inszenierungen der Performisten finden oft in leerstehenden Gebäuden oder Konversions-Geländen statt. Der Zuschauer ist dazu angehalten, sich hier gleich einen ganzen Mikrokosmos zu erschließen.
Affektive Nähe und reflexive Distanz bestehen für den Zuschauer zeitgleich. Er nimmt die Rolle des Akteurs ein, in der er z.B. die Performer befragen, mit ihnen interagieren und so ihre spezifischen Geschichten freilegen kann. Damit ist der Zuschauer ein relevanter Teil der Inszenierung, die ganz auf Interaktivität ausgelegt ist. Publikum gibt es nicht – jeder fungiert als Teil des Ganzen und trifft Entscheidungen, die dazu beitragen, ihn möglichst in seiner Komfortzone zu halten und (oder) zur Erkundung der Umstände beitragen. Ersteres dürfte sich als echte Herausforderung erweisen…

Es scheint die stille Mission des Zuschauer-Akteurs zu sein, seinen wahren Platz zwischen Partizipation und stiller Beobachtung, Realität und Fiktion finden zu müssen. Denn nicht zuletzt geht es mitunter um viel, z.B. auch die eigene Katharsis. Denn der Zuschauer findet sich in derlei Inszenierungen auch irgendwie in einer Art sozialem Experiment wieder. Er hat hier beispielsweise seinen persönlichen Höllentrip (via Volksbühne Berlin im Club Inferno) und soll sich mit (un-)möglichen Handlungspielräumen auseinandersetzen. Für Das Halbe Leid bedeutete dies, sich mit fünfzig anderen Teilnehmern zwölf Stunden lang einzulassen – Schlafstätte inklusive.

Gesellschaftlichen Diskurs fördern

Endgame am Forum Freies Theater FFT Düsseldorf Bildquelle: fft-duesseldorf.de

Eine Fusion zwischen Game-Adventure und Performativität strebt das Theaterkollektiv machina eX an. In ihrem preisgekrönten Mitmach-Stück 15.000 Gray reflektieren und interagieren Zuschauer gleichermaßen. Sie müssen in knapp dreißig Minuten den Forschungsstand eines Wissenschaftlers lüften und dafür sorgen, dass seine Erkenntnisse nicht in falsche Hände gelangen. Ein Lauf gegen die Zeit mit den bewährten Mitteln des Point-and-Click-Adventures.

Für ihr Stück Endgame, inszeniert u.a. an den Münchner Kammerspielen, geht es derweil um die digitalen Nahkampfzonen unserer Gegenwart. Auch hier sind die Zuschauer aktiv gefordert. Sie werden als Mitarbeiter einer Art NGO mit neurechtem Gedankengut konfrontiert und müssen sich in einem (Onscreen-)Umfeld Propaganda zur Wehr setzen.

Was kann der Einzelne tun, um den gesellschaftlichen Diskurs zu bewegen? Wie lässt sich die anvisierte Bewegung schwächen? Womit kann Demokratie erreicht werden?

Dies sind zentrale Fragen der immersiven Erfahrungswelt von Endgame.

machina eX: Endgame – Trailer

Wichtig für diese Erlebniswelt ist die haptische Aneignung der Umgebung: Die Einbettung der eigenen Person in das Setting des performativen Geschehens.

Komplexes gemeinsam auseinanderdröseln

Um Politik und konstruktive gesellschaftliche Auseinandersetzung geht es auch bei „Early Days (of a better Nation)“ der interaktiven Theatermacher Coney. In deren Stück werden die Grenzen von Nationalität und Demokratie quasi extensiv ausgelotet.

Wie kann ein vom Krieg zerstörtes Land aufgebaut werden & welche Grundvoraussetzungen müssen dafür geschaffen werden?

Ein komplexes Thema, dem sich die Künstler gemeinsam mit Vertretern des Londoner Kings College zu nähern versuchten.

Early Days of a Better Nation/Coney: miteinander denken und helfen, die Welt zu verbessern… Bildquelle: thestage.co.uk


Early Days of a Better Nation/Coney Bildquelle: exeuntmagazine.com

Early Days (of a Better Nation)

Early Days ist insofern interessant, als dass verschiedene Gruppen auch verschiedene Lösungsansätze ausarbeiten. Es werden Artikel gelesen, Bücher zum Thema gewälzt. Am Ende gilt es pro Gruppe auch einen Konsens zu finden.

Mehrwert für die reale Welt

Einen anderen innovativen Ansatz verfolgt die preisgekrönte Theater-Combo mit The Droves.
Dabei geben einzig und allein Kinder den Ton an. Sie sind es, die Erwachsene durch ihre geheime Gemeinschaft führen -verborgen in den Tiefen einer alten Fabrik.

Die eigene Imaginationen der Kindheit heraufbeschwören und die Magie früher Tage zurückholen – dies scheint ein Anspruch der Produktion zu sein.
Doch es geht auch um mehr: Hier werden Kinder ermächtigt.

Rätsel müssen gelöst und Fragen von Erwachsenen beantwortet werden. Raum für Raum wird sich durch das mysteriöse Gelände gewühlt. Man mag sich fragen: Wohin geht es? Worum es geht überhaupt?

Antworten sind nicht garantiert, zumindest nicht auf konventionelle oder gar rationale Art und Weise. Denn die Kids bestimmen das Spiel: Das interaktive Stück wird zu jedem Zeitpunkt komplett von ihnen getragen. Sie sind die Leader und geben den Ton des Moments an.

Vielleicht lässt sich der reale Erlebnispfad erweitern, Antworten finden oder erahnen, wenn es um Lösungsansätze in unserer Erwachsenenwelt geht.

Bildquelle: exeuntmagazine.com

Bildquelle: timeout.com

Bei allen diesen Theater-Produktionen geht es darum, den Zuschauer aus seinem passiven Status zu entheben, ihn zu einem aktiv tragenden Teil der Story werden zu lassen- wie auch immer diese angelegt ist.

Mit unserer eigenen immersive Storytelling-Technologie Hyperresponsive VR (HRVR) verfolgen wir einen ähnlichen Ansatz, der jedoch einer größeren Zahl an Zuschauern erlebbar gemacht werden kann: Die Handlungsfreiheit der Zuschauers steht dabei im Mittelpunkt: Das bewusste und unbewusste Agieren des Users spielt eine maßgebliche Rolle und durchwirkt zusätzlich das gesamte Geschehen der Story.

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Bildrechte Titelbild: © AdobeStock – Artem Mykhailichenko

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