VR for Aged Care: VR-App-Entwicklung für Senioren(-heime)

6. September 2019 Katrin Pape

VR for Aged Care: VR-App-Entwicklung für Senioren(-heime)

Die Caritas testet derzeit im Rahmen eines Digital-Projektes VR-Brillen in einem Seniorenheim. Dieser Schritt ist Teil der Jahreskampagne „Sozial braucht Digital“. Damit soll es weniger mobilen Menschen ermöglicht werden, Ausflugsziele so zu erleben, als seien sie selbst vor Ort – z.B. an Orte der Kindheit.

Das Projekt wird von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Auch das Pflegepersonal wird entsprechend geschult. Wichtig ist ein sensibler Umgang mit den 360-Grad-Inhalten, denn die virtuelle Zeitreise sollte eine konstruktive Bereicherung sein und die kommunikativen und mentalen Bereiche der Senioren stärken.

Kann VR bei der Kultivierung von Erinnerungen helfen?

Für Neues ist man nie zu alt

VR-Testlauf im Luisenheim Düsseldorf. Bildquelle: caritasnet.de

Dies war jedenfalls die These der Projektleiter der VR-Initiative. Sie konstatieren: Auch von den Bewohnern der Caritas-Einrichtung wird Virtual Reality mit Neugier und großem Interesse verfolgt und angenommen.

In Kliniken sind digitale Bildgebungsverfahren zur Diagnostik und Heilbehandlung unabdingbar geworden. Viele Krankenhäuser arbeiten in der Chirurgie vermehrt mit Mixed-Reality-Anwendungen. Gerade in Sachen KI und Robotik können Entwickler auf Ressourcenförderung setzen, die soziale Integration fördern. Obwohl der Digitale Fortschritt „lebendige Menschen“ nicht ersetzen kann, so ergeben sich durch die technischen Weiterentwicklungen gerade im Bereich Pflege & Gesundheitswesen bemerkenswerte Hilfestellungen durch VR/AR-Anwendungen.

Doch welche konkreten Vorteile bieten sich Senioren in Anwendung eines VR-Headsets?

Reisen ohne Koffer

“ Technik im vertrauten Rahmen, wenn sie begleitet wird, ist eine tolle Form der Unterhaltung die wir vielleicht auch therapeutisch nutzen können.“

Kathrin Heymann, Sozialer Dienst im Luisenheim, das Teil des VR-Projektes der Caritas ist

giphy.com

Die Caritas knüpft mit ihrer Offenheit gegenüber dem Digitalen Wandel dort an, wo auch Einrichtungen wie das Kopenhagener Seniorenzentrum „Akaciegarden“ in Kooperation mit der Aalborg University ansetzte. Hier führte man eine Studie durch, innerhalb derer den Senioren die Illusion vermittelt wurde, durch ansprechende Landschaften zu radeln, während sie tatsächlich auf dem Heimtrainer der Einrichtung trainierten.

Die Outdoor-Szenerie wurde zunächst durch große Flatscreens vermittelt, später kamen VR-Brillen zum Einsatz, die entsprechend Parkanlagen und Wälder als VR-Anwendung darstellten. Die Teilnehmer konnten auf dem Trim-Rad sogar um Hindernisse herumfahren oder auf Ereignisse reagieren.

Die Auswertung der Studie ergab, dass die betagten Probanden ihre sportliche Betätigung unter VR-Technologie wesentlich kurzweiliger erlebten und dadurch auch motivierter waren, erneut aufs Ergometer zu steigen. Die 360-Grad-Bilder wirkten auf die Teilnehmer realistischer und erfüllender als diejenigen des Flatscreens, da sie einer realen sportlichen Betätigung in der freien Natur näher kamen.

Andere Studien mit Senioren befassten sich bereits mit den Zusammenhängen kognitiver Herausforderungen und körperlicher Aktivität. Dabei trat zutage, dass gerade interaktive mentale und sportliche Übungen, wie etwa beim Exergaming, zu einer wesentlich besseren kognitiven Leistung führen.

Die virtuelle Realität hilft durch die Simulation von Bildeffekten übrigens auch dabei, Seheinschränkungen noch besser zu erforschen: Mit Hilfe von Eye-Tracking und 360-Grad-Videos konnte herausgefunden werden, dass Menschen mit Grauem Star – einem Krankheitsbild, bei dem es zur Linsentrübung kommt und nicht selten zur völligen Erblindung – mit kontrastreichen Beleuchtungssystemen ausgeleuchtete Umgebungen nur schwerer erkennen können. Allein die hellere Ausleuchtung eines Raumes bedeutet z.B. nicht zwangsläufig ein optimiertes Sichtfeld für die Erkrankten – ein Mehr an Licht muss im Raum auch gut verteilt sein. Daher scheint hier passive Beleuchtung oft sinnvoller, als allein auf möglichst viele Lichtquellen wert zu legen.

Vorteile durch auf ältere Menschen abgestimmte 360-Grad-Videos bzw. VR-App-Entwicklungen ergeben sich in folgender Hinsicht:

  • Entspannung, Ruhe (Stimmung heben, Stresshormone senken, verbesserte Atmung)
  • Verbesserung des Gemütszustandes (innerer Abstand zum Alltag in der Pflegeeinrichtung)
  • Erinnerung (biografische Bezugnahme, Auseinandersetzung mit Orten in ihrer Visualisierung)
  • Aktivierung von Körper und Geist (neue Impressionen, immersive Inhalte sprechen persönlich an)
  • Sportliche Betätigung (s. Kopenhagener Studie)

Auch sind einige ältere Menschen noch im Besitz ihrer vollen geistigen Fähigkeiten, haben jedoch physische Gebrechen, die sie in ihrer Mobilität einschränken. VR hilft ihnen trotz der körperlichen Immobilität dabei, Kurse oder Seminare zu besuchen und andere immersive, multisensorische Umgebungen umfassend zu erfahren.

VR ist eine Möglichkeit den Erlebnishorizont zu erweitern. Das ist wichtig, etwa wenn man selbst nicht mehr in der Lage ist, selbst rauszugehen.“

Uwe Kleinemas, Altersforscher, Uni Bonn

Partizipieren

Unternehmen wie Rendever oder BuildVR (mit ihrer App SolisVR) entwickeln Virtual-Reality-Anwendungen, mit denen Bewohner von Pflegeheimen sich ihrer körperlichen Einschränkungen wenigstens für eine gewisse Zeit entheben können.

So ist es z.B. möglich, mit anderen Bewohnern der Einrichtung virtuelle Gruppenreisen zu unternehmen und sich anschließend darüber auszutauschen. Die VR-Technologie bietet unter Verwendung einer 360-Grad-Kamera und VR-Brille auch die Möglichkeit, sich bei einer räumlich entfernten Familienfeier einzufinden.

Dass Virtual Reality großes Potential in der Kranken- und Altenpflege hat, zeigen z.B. Untersuchungen, die belegen, dass die Technologie körpereigene Opioide im Gehirn verändern kann und so das Schmerzempfinden reduziert. Dies ergibt einen Vorteil in Bezug auf suchterzeugende Medikamente wie Morphine, die schmerzlindernd eingesetzt werden, aber stark abhängig machen.

Solis: A world first in Virtual Reality for Aged Care

Die Virtual-Reality-Plattform von appliedVR bietet gleich eine ganze Palette an VR-Erfahrungen für verschiedene Bedürfnisse betagter, gestresster oder chronisch kranker Menschen.

Dazu gehört die Erfahrung der persönlichen Beruhigung durch geführte Geräusche und Bilder, das Vermitteln von Achtsamkeit, Atemübungen und positiven Denkerzählungen, die den Patienten bei der Entspannung helfen.

360-Grad-Videos auf Memory-Stations

Bildquelle: thedailybeast.com

Auch Erinnerungsarbeit lässt sich mit Senioren durch VR betreiben. Dass Reminiszenztherapie (Reminiszenz= Sich-Erinnern durch Gegenstände, Gerüche, Klänge ect.) vermittels 360-Grad-Videos sehr gut funktionieren kann und mitunter beeindruckende Ergebnisse hinterlässt, zeigt ein Beispiel in geografischer Nähe.

Über einhundert Fotografien arbeitete die geriatrische Abteilung (für kognitive Therapie / „Memory-Station“) des Cäcilien-Hospitals in Hüls mit der Agentur Weltenweber auf und tauchte anschließend einen Krefelder Verkehrsknoten virtuell ins Licht der 50er und 60er Jahre.

Die Teilnehmer der VR-Reise stehen hierbei auf einem Posten an der Kreuzung Ostwall / Rheinstraße, einem wichtigen Bezugspunkt der Krefelder Bürger anno dazumal. An dieser Straßenecke wurde sich häufig verabredet und getroffen, die Zeitung gekauft oder einfach zu den Geschäften auf die andere Straßenseite hinübergewechselt. Besonderheit war (und ist) UdU, ein Treffen „unter der Uhr“, Krefelds wohl bekanntestem Relikt an diesem Ort – eine Standuhr, die immer noch ihren angestammten Platz hat und erst kürzlich restauriert wurde.

An Krefelds bekanntem Knotenpunkt. Relikte vergangener Tage sind in der Reminiszenztherapie von großem Wert. Bildquelle: krefeld.de

VR-Reise ins Krefeld der 50er und 60er Jahre…Bildquelle: heliosgesundheit.de

Bildquelle: KRiWiWu/facebook.com

Bildquelle: KRiWiWu/facebook.com

Das Video soll durch die visuellen Reize v.a. das Langzeitgedächtnis der Patienten stimulieren und zu einer Stärkung der Kommunikation und in Folge zu mehr Lebhaftigkeit führen. Hierbei stand die Arbeit mit demenzkranken Menschen im Fokus.

Grundlegend ist es wichtig, zwischen VR im Bereich Gaming und jüngerem Publikum und der Wahrnehmung von Senioren zu unterscheiden. Die Inhalte der 360-Grad-Videos für letztere Zielgruppe müssen eingängig sein und dürfen nicht überfordern. Da alte Menschen in Pflegeeinrichtungen ohnehin oft isolierter leben, muss die VR-App auf diesen Umstand, sowie auf eventuelle körperlichen und mentale Einschränkungen, abgestimmt sein. Die Dauer von Immersion- und Präsenz-Erfahrungen sollte so ausgelegt sein, dass zwischenmenschliche Beziehungen und persönliche Kommunikation optimal gefördert werden.

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Bildrechte Titelbild: © AdobeStock – Ljupco Smokovski

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