3D-Spurensuche mit 360-Grad-Aufnahmen & Mixed Reality

7. Mai 2021 Katrin Pape

3D-Spurensuche mit 360-Grad-Aufnahmen & Mixed Reality

Bildquelle: swr.de

Tatorte lassen sich im Nachhinein schlecht rekonstruieren und bis vor wenigen Jahren gab es tatsächlich nur Skizzen und Fotografien von Ermittlungsszenen. Doch Räumlichkeiten interpretiert jeder anders in Fotos hinein – somit kann die Vorstellung vom Hergang z.B. einer kriminellen Tat auch höchst subjektiv ausfallen.

Um Charakteristiken einer Szene auch zu einem späteren Zeitpunkt besser nachvollziehbar machen zu können, z.B. für Staatsanwälte, Sonderermittler und Ballistiker, nutzt das LKA Bayern inzwischen sehr erfolgreich begehbare 3D-Modelle und 360-Grad-Aufnahmen von Einsatzorten – und trägt damit zu einer noch genaueren, objektiveren Tatort-Rekonstruktion bei.

360-Grad-Aufnahmen als Archiv

360-Grad-Aufnahmen wirken vor allen Dingen einer chronischen „Szenenverschlechterung“ entgegen: Bewegungsverhalten am Einsatzort führt regelmäßig auch zu erheblichen Veränderungen im Raum, die eine weitere Untersuchung verkomplizieren und Ermittlern viel Zeit und Nerven kosten können. Eine 360-Grad-Aufnahme zu Beginn der Einsatz-Situation lässt dagegen wichtige Details festhalten.

Fingierter Tatort: hier arbeitet ein spezifischer Laserscanner (hinten mittig) 360 Grad horizontal/180 Grad vertikal mit einer 512 Megapixel-Kamera & bis zu 1500 Bildern pro Sekunde. Bildquelle: polizei.hessen.de

Beweise und Umstände, die schwer in 2D darstellbar sind, etwa umliegende Fluchtwege und komplexe Anlagen, können anhand von 3D-Modellen als interaktive VR-Anwendung generiert werden und lassen selbst Jahre später noch Detailfragen klären. Dieser Umstand ist besonders wichtig, da sich im Verlauf der Ermittlungen jederzeit neue Aspekte ergeben könnten, die den Tathergang in eine neue Richtung lenken.

Der zusätzliche Einsatz von 360-Grad-Aufnahmen & VR fixiert die initiale Beweissicherung und ermöglicht so den Ermittlern – selbst Jahre später – den vormals physisch untersuchten Ort nicht nur erneut zu inspizieren, sondern auch virtuell zu begehen.

„Richter, Staatsanwalt, Verteidiger – sie alle können sich einen Eindruck verschaffen, so als stünden sie in diesem Moment selbst am Tatort (…)“

Ralf Breker/Zentrale 3D-Tatortvermessung LKA Bayern, über VR-Headset-Nutzung bei der Ermittlungsarbeit

Auch Ermittlungsorte auf unsicherem Terrain, etwa in unzugänglichen Ruinen und einsturzgefährdeten Lagerhallen, können zu einem späteren Zeitpunkt problemlos mit dem VR-Headset inspiziert werden. Ermittler setzen sich bei Fortführung ihrer Untersuchung weder einer realen Gefahrenquelle aus, noch muss auf das Ende einer anberaumten Absperrung gewartet werden. Mit einem VR-Headset und Controllern ausgestattet können die Anwender eigenständig durch alle virtuellen Ebenen navigieren und ihre Arbeit fortsetzen.

Für die 3D-Modellierungen am Tatort zeichnet z.B. eine HDR-Kamera mit rotierendem Nodalpunktadapter & integriertem Laserscanning verantwortlich. Das Gerät erstellt 360-Grad-(Panorama-)Aufnahmen und erzielt über mehrere Belichtungsstufen sehr präzise, objektive Farbwerte. Erfasst werden alle Räumlichkeiten durch millimetergenaue Punktwolken; verschiedene Softwares rekonstruieren physikalisch die Lichtverhältnisse vor Ort (und ermöglichen so die realistische Darstellung von Belichtungsverhältnissen, Schattierungen und Spiegelungen von beliebigen Standorten im Raum).

Mixed Reality für´s Detail

Auch die Polizei in Bedfordshire/UK arbeitet bei der Kartierung von Räumen und Außenarealen mit virtueller Technologie, hier allerdings mit Mixed Reality.

Die von den Ermittlern verwendete Microsoft HoloLens-Brille schickt gleich ganze Datensätze, Bilder, Video-& Sprachfeeds zu Kollegen und ermöglicht so einen Austausch in Echtzeit, bei dem visuelle Eindrücke auch ohne physische Präsenz miteinander geteilt werden.

Außendienstmitarbeiter können hierbei virtuelle Markierungen vornehmen, 3D-Objekte manipulieren und auf den Einsatzort zugreifen, ohne die tatsächliche Szene zu verändern. Mixed Reality ermöglicht ihnen, sich auch auf die Distanz ein noch genaueres Bild vom Gegenstand der Ermittlung zu machen, anstatt sich allein auf Fotografien und Berichte verlassen zu müssen.

Virtuelle Technologien bieten neue Ansätze innerhalb konventioneller Methoden, komplettieren deren Vorgehensweisen und schaffen damit Raum für weiterführendes Erleben & Handeln.

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