Erleben & Teilen: VR-Storytelling und Festivalinhalte im Museum of Other Realities

16. Oktober 2020 Katrin Pape

Erleben & Teilen: VR-Storytelling und Festivalinhalte im Museum of Other Realities

Durch die Corona-Pandemie müssen auch VR-Festivals umdisponieren. Das VRHAM! in Hamburg (4.-7. Juni 2020) ersetzte in diesem Jahr physische Besuche durch digitale Zugänge in künstlerischen VR-Welten.

Auch Cannes XR Virtual (24.-26. Juni 2020) öffnete seine Pforten online. Mit dem MOR – Museum of Other Realities, einer VR-Ausstellungs- & Begegnungsplattform, bot sich den Teilnehmern der abgesagten Festivals doch noch eine gebührende Alternative zu den gängigen Formaten.

Andere Realitäten betreten

Das MOR als Gastgeber der ausgelagerten VR-Festivals in Hamburg und Cannes widmet sich mit seinem Programm speziell der Kunst des immersiven Geschichtenerzählens: VR-Storytelling.

Neben 55 künstlerischen Beiträgen standen auch virtuelle Konferenzen auf dem Programm, darunter mehrere Dutzend Vorträge, Panels oder Pitching Sessions. Grundlegend beherbergt das MOR interaktive, experimentelle Virtual-/Mixed-Reality-Video-Installationen, mit denen sich die Besucher und Headset-Anwender in andere Dimensionen begeben können. Dabei arbeiten die Video-VR-Künstler mit unterschiedlichen Tools wie Tilt Brush, Oculus Medium oder natürlich der Unity-Engine.

„Crystal Odyssey“ wurde mit Tilt Brush unter Nutzung der VR-Konzert-Plattform Wave XR generiert.  Bildquelle: museumor.com

Spot on: VR-Storytelling

Die diesjährige Ausgabe des VRHAM! konnte mit all seinen Veranstaltungen und Präsentationen schließlich sowohl über den eigenen Youtube-Kanal , als auch via Magenta-App im MOR besucht werden. VR-Headsets wurden vom Festivalveranstalter zur Verfügung gestellt.

Final kürte das Cannes XR Virtual mit dem VeeR Future Award bzw. Positron Visionary Award (beste filmische VR) sowohl den VR-Film „1st step“ (über die Apollo-Mission), als auch den rund 30-minütigen Beitrag „The Great C“ (basierend auf einer Shortstory der Science-Fiction-Legende Philip K.Dick) zu den diesjährigen Gewinnern. Über den VRHAMMY Award-Gewinner „The Key“ und die auf dem Hamburger Festival online hervorgehobene 360-Grad-Dokumentation „Daughters of Chibok“ haben wir schon in unserem Venice VR-Beitrag berichtet

Nach der Apokalypse herrscht nur scheinbar Frieden. The Great C wurde u.a. mit Unreal Engine, Maya und Cinema 4D erstellt. Bildquelle: actualitte.com

Im von Studio „Secret Location“ (2015 Emmy für Sleepy Hollow VR Experience) produzierten Kurzfilm „The Great C“ müssen sich die Protagonisten einer dystopischen Welt stellen, in der ein Supercomputer die Vorherrschaft innehat. Den VR-Machern ging es bei dieser freien Adaption der 1952er Sci-Fi Shortnovel vor allem um die emotionale und mentale Auseinandersetzung der Headset-User mit inneren Widerständen und Ängsten.

Anfangs mit interaktiven Elementen als non-lineares VR-Storytelling ausgelegt, beließ man es am Ende doch bei einer rein linearen Erzählstruktur.

The Great C- Launch Trailer

Anders als diese Roomscale-VR-Reise in die beklemmenden Szenarien einer fragwürdigen Existenz setzt „1st Step“ (unter „Apollo“ via Magenta-App verfügbar) als fotorealistisches 360-Grad-Video auf die unermesslichen Weiten des Weltalls.

Die VR-Filmemacher nutzten als Grundlage bedeutende NASA-Archivbilder/Satelliten-Daten und erhielten enge fachliche Beratung durch die Europäische Weltraumorganisation ESA. Die virtuelle Erfahrung wurde u.a. mit 3ds Max und Nuke generiert – bei den Astronauten-Aufnahmen arbeitete man mit Greenscreens und einer stereoskopischem 3D-Kamera.

1st Step VR. Bildquelle: imdb.com

„This project is a beautiful piece that uses 360° to its full potential. Space is a theme that’s been created many times in VR, but this project has its very unique approach to tell the story and use the archive footage to recreate a remarkable experience. The storytelling pace is very smooth and it keeps the audience engaged throughout the whole experience.”

j.Chen, Jurybegründung zur VR-Produktion 1st Step/VeeR Future Awards

Erforschung immersiver Medien

Cannes XR Virtual markierte auch den vorläufigen Endpunkt von Immersify, einem seit 2017 von der EU finanzierten Projekt zur Erforschung immersiver Medientechnologien.

Das Projekt untersuchte unter anderem Videokodierung & Datenkomprimierung immersiver Inhalte, deren Möglichkeiten interaktiver Gestaltung in Kreativ-und Medienbranchen sowie konkrete VR-Anwendungen im öffentlichen Raum (Location-Based-Installations) und spezifischen Projektions-Orten (wie z.B. im Rahmen von Full-Dome Medien-/Kinokuppeln).

Hierbei spielte vorrangig auch die Bildauflösung gängiger 3D-Kamerasysteme und das Fehlen technischer Standards eine Rolle.

Die Projektergebnisse stellten die Teilnehmer, vertreten u.a. vom Ars Electronica Future Lab und Visualization Center C , auf einem letzten Panel vor.

Immersify Panel at Cannes XR Virtual 2020

VR-Storytelling wird erst durch authentische VR-Erfahrungen überzeugend und lebendig. Deshalb setzen wir beim virtuellen Geschichtenerzählen vor allem auf non-lineares Storytelling: Hyperresponsive VR. Der Verlauf der Geschichte wird dabei nicht allein durch bewusste Entscheidungen des Anwenders beeinflusst, sondern auch durch dessen unbewusste Signale. Getreu dem Motto: Die Story bin ich!

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