Filmaufnahmen mit Tilt-Shift-Effekt

Eilig herumwuselnde Zwergmenschen bahnen sich ihren Weg durch winzig kleine Städte, während Modelleisenbahnen, -schiffe und –flugzeuge das Bild der Spielzeugumgebung abrunden. Erst auf den zweiten Blick erkennt der Betrachter, dass er es hier mit der realen, echten Welt und keiner ferngesteuerten Miniaturlandschaft zu tun hat.

Der sogenannte Tilt-Shift-Effekt, ursprünglich seit den 1960er Jahren in der Fotografie entwickelt, macht es möglich. Auch im Bereich der Filmproduktion werden solcherart eindrucksvolle Aufnahmen immer populärer. Im Folgenden erklären wir für Sie, worauf diese Wirkung basiert und wie sie produktionstechnisch umgesetzt wird.

Ursache für die Wahrnehmung als Spielzeugwelt

Das menschliche Empfinden arbeitet bei der Beurteilung von Größenverhältnissen sowohl mit der Größe als auch mit Verhältniswerten der Bildinhalte. Mit Hilfe des Tilt-Shift-Effektes lassen sich physikalische Gesetze beispielsweise der Schärfentiefe ad absurdum führen.

Drastisch abnehmende Schärfe vermittelt dem Gehirn, dass sich der scharfe Bereich des Bildes sehr nahe beim Betrachter befindet. Diesem wird so ein optisches Schema vorgeführt, dass er normalerweise nur kennt, wenn er kleinere Gegenstände mehr oder weniger direkt vor seinen Augen hat.

Verbindet man diesen Trick etwa mit Panoramaeinstellungen, assoziiert unser Verstand dieses Bild mit etwas, dass unser Gehirn mit derartigen Größenverhältnissen verknüpft – wie beispielsweise eine Spielzeuglandschaft. Bestätigen dann noch Perspektive (auf Spielzeuge schaut man in der Regel von oben, daher bieten sich Aufnahmen in der „Vogelperspektive“ besonders an), Geschwindigkeit und Optik des Films diesen Bezug, ist die Illusion perfekt.


Technischer Hintergrund: Das Tilt-Shift-Objektiv

Um diesen Wirkung zu erzielen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen können spezielle Tilt-Shift-Objektive zum Einsatz kommen, welche auch den Namen für den Effekt liefern. Solche Objektive ermöglichen das Verschieben (engl.: Shift) und das Verschwenken (engl.: Tilt) des Linsensystems gegenüber der Filmebene. Auf diese Weise lässt sich der Strahlengang des einfallenden Lichts so verbiegen, dass die Schärfeebene starke Abweichungen gegenüber der bekannten optischen Realität aufweist.

Tilt-Shift in der modernen Filmproduktion

Entsprechende Bilder wie die, die Tilt-Shift-Objektive schon bei der Aufnahme durch ihre spezielle Mechanik hervorbringen, lassen sich aber auch in der Postproduktion generieren. So kann durch einen Unschärfefilter nachträglich ein scharfer Fixpunkt im Bild festgelegt werden.

Durch weitere Schritte kann man sich nun der Spielzeug-Ästhetik immer weiter annähern, beispielsweise durch Beschleunigung mit einem Zeitraffer, um den Bewegungen eine Art hektischen Modelleisenbahn-Flair zu verpassen. Weiterhin ließe sich dieser Modellcharakter noch eindringlicher gestalten, indem die Farbintensität bis zu einer unwirklichen, aber gleichermaßen faszinierenden Plastik-Realität übersteigert wird.

Alltagskulissen, aber auch eigentlich für das Auge bekannte Abläufe und Szenarien lassen sich so in einem neuen, spannenden und attraktiven Look darstellen.

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Sascha Reitermann

Dipl.-Inf. (FH) Sascha Reitermann verantwortet den Bereich der Produktionsleitung für Filmprojekte bei der Aspekteins GmbH, sowie die Konzeption digitaler Vermarktungsstrategien für Ihre Bewegtbildinhalte.

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