Hallett Cove VR – Unterwegs ins Eiszeitalter

8. Januar 2021 Katrin Pape

Hallett Cove VR – Unterwegs ins Eiszeitalter

Hallett Cove mit dem sog. Sugarloaf-Hügel. Bildquelle: environment.sa.gov.au

Eine der bekanntesten geologischen Stätten in Australien ist der Hallett Cove Conservation Park. Gemeinsam mit dem Australasian Institute of Mining and Metallurgy und dem LIVE-Team (Learning Through Immersive Virtual Environments) der University of South Australia entwickelte Framework VR eine gamifizierte App, mit der sich Anwender auf die Spuren von lange verborgenen Geheimnissen begeben können.

Schichten auseinanderdröseln

Die Gletschersedimente des Sugarloaf gilt es virtuell zu erkunden. Bildquelle: unisa.edu.au

Hallett Cove bildet nicht nur auf nationaler Ebene ein wichtiges Kulturerbe. Hier geht es um nichts geringeres als ganz große Geschichte: der geologischen Entwicklung Australiens, und, mit Blick auf den Zerfall des Großkontinents Gondawa, um die Entwicklung der Erde insgesamt. Die gewaltige Landmasse entstand vor vielen hundert Millionen Jahren und sorgte einst für eine feste Verbindung zwischen Australien (südliches Gondwana) und der Antarktis.

Eines fernen Tages lagen zwei Drittel des australischen Kontinents in Eis gehüllt – unter einer mehr als einen Kilometer dicken Schicht!

Der VR-Anwender kann an diesem evolutionsgeschichtlichen Ort diverse Gesteinsarten bewundern, die ein fesselndes Zeugnis über vergangene, klimatisch extrem unterschiedliche Erdzeitalter abgeben.

Unter dem Headset erlebt er nun, wie sich das Klima erwärmte, die Eisdecke schmolz & das Schmelzwasser Fragmente und Gesteinsmehl freisetzte. Nachdem dort Einzeller bessere Lebensbedingungen erfuhren, bildete sich in jüngeren Jahren (vor etwa 4 Millionen Jahren) fossiler Sandstein. Weitere Erosionszyklen und Sedimentationsprozesse formten die Gegend weiter zu einem ultimativen Beweisstück erdgeschichtlicher Veränderungen.

Doch auch unter archäologischen Gesichtspunkten spielt Adelaides Küstenvorort eine gewichtige Rolle. In den letzten Jahrzehnten wurden hier über 1700 Aborigine-Artefakte gefunden, deren Besitzer viele tausend Jahre lang das Gebiet besiedelten.

Interaktive Erkundung per VR-App

Der VR-Headset-User kann sich interaktiv auf Erkundungstour begeben. Bildquelle: unisa.edu.au

Für die VR-Erfahrung erhalten Nutzer Zugriff auf siebzehn verschiedene Stationen der Stätte, die sie über Controller ansteuern können.

Mit Hilfe einer virtuellen Lupe können faszinierende Fossilien bestimmt oder mit dem Kompass Gletscherspalten aufgesucht werden. Digitale Tinte lässt geologische Strukturen für den späteren „Rapport“ aufzeichnen. Die Suche wird durch einen Roboter-Guide unterstützt, einer wandelnden Enzyklopädie mit einem Wissen von mehr als 600 Millionen Jahren.

VR-Headset-Anwender können Hallett Cove per VR-App aus der Vogelperspektive betrachten: von den Gletscherstreifen des Black Cliff, der Rudimente eiszeitlicher Verbindungen zum Südpol aufzeigt, bis hin zum unglaublichen Sugarloaf, einem beeindruckenden Hügel aus u.a. Gletschersedimenten, der an einen abgerundeten Kegel aus Zucker erinnert.

Die in VR zugänglichen Artefakte & geologischen Strukturen wurden im Vorfeld durch 360-Grad-Panoramen abgelichtet und durch 3D-Modelle angereichert.

„Unlike many VR experiences, this is a lot more than some pretty pictures and 3D models thrown together that don’t really offer much as a learning exercise. It was designed as an interactive, gamified experience that engages people in science by challenging them to unlock the geological secrets of Hallett Cove.“

Tom Raimondo, Projektleiter LIVE/ „Beyond the Ice“

Hallett Cove VR ist kostenlos online verfügbar und mit Steam-VR-fähigen Headsets wie Oculus Rift, Windows Mixed Reality, HTC Vive Pro/Cosmos sowie Valve Index kompatibel.

Immersives Lerntool

Bildquelle: unimelb.edu.au

Virtuelle Anwendungen wie Hallett Cove VR können als immersive Visualisierungstechnologie erheblich zum Erfolg experimenteller Lernübungen beitragen. Der spielerische Ansatz von VR-Apps vermittelt grundlegende Kenntnisse verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen leichter und nachhaltiger, als dies Medien ohne immersiven Ansatz tun.

Da sich viele Forschungsstandorte an abgelegenen Orten befinden und Schulungsbesuche mit hohen Kosten verbunden sind, kann Virtual Reality optimal dabei helfen, situative Konnektivität zwischen VR-Headset-Anwendern und bestimmten Plätzen aufzubauen. Quizfragen oder Spiele-Szenarios führen die User hierbei interaktiv zu Explorationszielen.

Lernen in der virtuellen Realität kommt einer Primärerfahrung so nah, wie es mit keinem anderen technischen Hilfsmittel möglich ist. Primärerfahrungen werden abgegrenzt von Sekundärerfahrungen, bei denen das persönliche Erleben fehlt: Durch ein zwischengeschaltetes Medium, wie beispielsweise einer Videodemo, entsteht in Sekundärerfahrungen eine Distanz zwischen Rezipient und den zu vermittelnden Inhalten.

Wie spannend sich Wissenschaft unter VR-Anwendungen erforschen lässt, etwa beim Flug in die Mikroebene eines Rasterelektronenmikroskops, zeigen auch unsere aktuellen 360-Grad-Produktionen in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht.

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