Projektorganisation in der Filmproduktion: Das Drehbuch

Die Kunst der Planung besteht darin, den Schwierigkeiten der Ausführung zuvorzukommen.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues (1715-1747), frz. Schriftsteller und Philosoph

Nach dem generellen „Greenlighting“ eines Filmprojekts, also nachdem eine Übereinkunft darüber getroffen wurde, wie ein Film letztendlich aussehen soll, steht im Hinblick auf die weiteren Produktionsschritte die eigentliche Projektorganisation auf dem Plan. Mitarbeiter müssen rekrutiert, Räume und Locations müssen organisiert sowie logistische Herausforderungen gemeistert werden… kurz: ein funktionierender Produktionsablauf muss unter Berücksichtigung der kalkulierten Herstellungskosten im Detail geplant werden.

In einer kleinen Serie von Beiträgen wollen wir in der nächsten Zeit eine Übersicht respektive jeweils kleine Definitionen zu einzelnen Begriffen in diesem Umfeld liefern, um so für etwas Struktur sorgen und einige zwar geläufige, dennoch im Einzelnen nicht genau bekannte Termini etwas genauer zu erörtern. Der Blogartikel über das Storyboarding lieferte hierzu schon einmal einen Vorgeschmack

Akkurate Planung zahlt sich aus

Freilich ist eine hundertprozentige Vorausplanung wirklich aller Eventualitäten nur in den seltensten Fällen Realität, jedoch gilt es trotzdem, diesem Anspruch zu genügen. Denn Fehler, die in der Preproduction gemacht werden, lassen sich im Nachhinein meist nur unter größeren Anstrengungen wieder korrigieren. Insofern müssen sich das Drehbuch mit dem Drehplan und alle ihm zugehörigen Aspekte wie Tagesdispo, Drehfolge oder Kalkulation harmonisch ergänzen.

In diesem kunstvoll gestalteten Kurzfilm wird der Prozess des Drehbuchschreibens behandelt

Das Drehbuch: Gestaltungsentwurf für die Filmproduktion

Aber was genau beinhaltet das oben erwähnte Drehbuch eigentlich? Grundsätzlich handelt es hierbei um die textliche ausformulierte Grundlage zum kreativen Gestaltungsplan einer Filmproduktion. Dabei durchläuft jedes Drehbuch im Prinzip (zumindest grob) folgende Phasen:

  • Idee
  • Recherche
  • Exposee
  • Treatment
  • Drehbuch

Während die Vorstufen Idee, Exposee und Treatment eher versuchen, die Grundidee des Stoffes zu vermitteln und diesbezüglich eine überblicksorientierte Form besitzen, ist das Drehbuch im Vergleich hierzu viel genauer und expliziter ausgearbeitet. Unterteilt in einzelne Szenen beziehungsweise „Bilder“ wird der Verlauf der Filmhandlung (in der Regel auf etwa einer Seite pro Filmminute) wiedergegeben.

Neben allgemeinen Informationen über die Handlung und über die Mitwirkenden wird hier im Prinzip alles beschrieben, was sich innerhalb der Szene visuell und akustisch erfassen lässt. Dabei werden Angaben zum Handlungsort (drinnen oder draußen, wie sieht der Ort genau aus) und den vielfältigen Requisiten ebenso erläutert wie die Lichtsituation, die allgemeine Atmosphäre oder die Stimmungslage der Protagonisten. Auch konkrete Anweisungen zu den Kameraeinstellungen und selbstredend auch die Dialoge, Geräusche und Off-Texte für nicht sicht- oder hörbaren Gefühle und Gedanken werden hier erfasst.

Ergänzt werden diese Aspekte durch weiterführende Regieanweisungen sowie technische und organisatorische Verweise.

Wann ist ein Drehbuch realisierbar?

Aus einem detaillierten Drehbuch lassen sich im Normalfall alle logistischen, planerischen und finanziellen Faktoren des zu kreierenden Filmprojekts ablesen. Daher müssen sie auch so geschrieben sein, dass sie in ihrer bestehenden Form realisierbar sind und sich in die Kostensphären ihrer jeweiligen Produktionsumgebung einfügen.

Ein Drehbuch für einen Michael Bay-Blockbuster hätte auf dem deutschen Markt – um es euphemistisch auszudrücken – nur marginale Chancen, realisiert zu werden. Diese Marktorientierung gilt im Großen wie im Kleinen, also für den Hollywoodstreifen als auch für den semi-professionellen Kurzfilm und ebenso für einen Imagefilm für ein Unternehmen.

Die Herausforderung besteht darin, im Austausch mit dem Auftraggeber einen Inhalt zu generieren, welcher dem geplanten medialen Endprodukt angemessen ist und dabei diesem Produkt hilft, sich gegen andere Produkte auf demselben Markt durchzusetzen.

Was muss ein Drehbuchautor können?

Unabdingbar für das Schreiben von Drehbüchern sind in erster Linie Kreativität und ein vorhandenes Schreibtalent, da Drehbücher sehr spannend und lebhaft erzählt sein müssen.

Weiterhin nicht zu vernachlässigen sind tiefgreifende Kenntnisse über Regie, Bildgestaltung, Schnitt, Filmtechnik und die spezifischen Produktionsabläufe, denn Drehbücher sind ja letztendlich „nur“ die textliche Vorlage für den Film, für sich allein sind sie – streng genommen – noch kein künstlerisches Produkt.

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Sascha Reitermann

Dipl.-Inf. (FH) Sascha Reitermann verantwortet den Bereich der Produktionsleitung für Filmprojekte bei der Aspekteins GmbH, sowie die Konzeption digitaler Vermarktungsstrategien für Ihre Bewegtbildinhalte.

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