Horror in 360-Grad-Video – Nervenkitzel soweit das Auge reicht!

Zombies, Monster, Sensationen – die Horror Nights des Europa-Park sind eine etablierte Institution des Grauens. Wenn es Nacht wird an Halloween im Europa-Park und die Massen vor den Zombies flüchten, dann ist es wieder soweit: Die Horror Nights sind da!

Jetzt schreien die Teilnehmer auch Zuhause vor Angst

Doch wie transportiert man die Zombies in das heimische Wohnzimmer? Ein traditioneller Horrorfilm (traditionell im Sinne von nicht 360-Grad-Video) genügt zur heutigen Zeit nur noch sehr bedingt, um die ganz hart gesottenen hinter dem Ofen – oder aus der Gruft – hervorzulocken. Was aber, wenn die Attacke von hinten kommt? Oder von der Seite? Oder von Oben? Dann beginnt das wahre Grauen!

Horror in einer neuen Dimension – 360-Grad-Video als ultimativer Kick

Genau dort setzten unsere Überlegungen an – wie bringen wir den Horror auf die nächste Stufe, wie versetzten wir die Zuschauer in ein schaurig-schönes Horrorszenario? Mit Cutting Edge 360 Grad-Video, so lautete unsere Antwort auf diese Frage. Nachdem wir das Team von Mack Media kennen gelernt hatten stiegen wir gemeinsam ein, in den kreativen Prozess – und standen zunächst vor einigen Herausforderungen.

360-Grad-Video im Blindflug – Horror für die Produzenten

Bei ersten Probedreharbeiten in Rust wurde sehr schnell klar, dass die übliche Herangehensweise bei der Erstellung von 360-Grad-Video hier nicht funktionieren wird.

Bei der aktuell üblichen Arbeitsweise bei der Produktion von 360-Grad-Filmaufnahmen werden sämtliche Kameras eingeschaltet und zeichnen auf – jedoch ohne eine Möglichkeit die aufzunehmenden Szenen live zu begutachten.

Im nächsten Schritt wird dann die aufgenommene Footage sondiert, inklusive dem Risiko erst dann zu entdecken dass etwas nicht so aussieht wie geplant. Darüber hinaus ist dieser Prozess insbesondere bei einer größeren Produktion sehr aufwendig, da jede Szene zunächst geprüft werden muss, ob Sie verwendet werden kann. Um dies zu prüfen müssen die aufgezeichneten Dateien von den Kameras auf eine Workstation übertragen werden um dort als Preview-Rendering zu einem ersten 360-Grad-Video zusammengefügt zu werden, dass dann begutachtet werden kann.

Wenn also eine Aufnahme nicht sitzt muss alles wiederholt werden – ein neues Take, um es in der Filmsprache auszudrücken. Und bei der Anzahl an Beteiligten vor Ort – bei diesem Dreh fast im dreistelligen Bereich – ist ein Reshoot nicht wirklich die präferierte Option.

Also war klar, dass wir eine Technik brauchen, die uns eine Livevorschau ermöglicht – nur so würden wir bei den Dreharbeiten den Überblick behalten können und hätten überhaupt eine Chance die Darsteller so zu koordinieren, dass sie in einem 360-Grad-Film funktionieren. Besagte Technik waren wir bereits über längere Zeit am entwickeln und auf den Tag genau zu Beginn der Dreharbeiten waren wir soweit, dass wir sie auch im Livebetrieb einsetzen konnten (Hier gibt es auch einen Artikel über unsere Liveregie für 360-Grad-Video). Allen Beteiligten fiel an diesem Tag – bzw. in dieser Nacht – ein Stein vom Herzen. We made it, yes! Dann wäre da nur noch die Sache mit dem Kopflosen und der Perspektive…

Kopflos im Rollstuhl – wie soll das gehen?

Der Zuschauer sieht sich in der Perspektive eines Rollstuhlfahrers. Damit sich diese Position so echt wie möglich anfühlt muss also auch die Kameraperspektive auf der Augenhöhe des Rollstuhlfahrers sein. Und die Hände. Die Hände sollen sich bewegen – tun sie in echt ja auch.

Damit lautet unsere Mission wie folgt:

Wir brauchen einen kopflosen Rollstuhlfahrer, der die Hände bewegt und in dessen Körper wir Kameratechnik unterbringen können. Die Kamera sitzt genau dort, wo eigentlich der Kopf wäre – wenn unser Mann denn einen hätte. Nachdem unsere Castingagentur niemand passenden für den Job empfehlen konnte musste also eine andere Lösung gefunden werden.

Zum Glück sind wir nicht irgendwo, sondern im Europa-Park. Und das lernten wir in diesem Moment sehr zu schätzen. Wir waren in einem Paradies der Techniker und Spezialisten, die hauptberuflich – salopp gesagt – dafür sorgen dass Menschen Spaß haben. Und auf dieses Know-How konnten wir nahezu uneingeschränkt zugreifen.

Der Griff in die analoge Trickkiste und die 42 Stunden im Rollstuhl

Also machten wir Folgendes um unsere Mission zu bewerkstelligen… Wir (genaugenommen ein Team von Spezialisten aus dem Europa-Park!) bauten einen Rollstuhl so um, dass unter dem Rollstuhl ein blinder Passager sitzen kann, der seine Hände bewegt. Auf den Rollstuhl kam eine Puppe, in deren Körper wir die Technik verstecken konnten und auf deren Hals die Kamera sitzt. An dieser Stelle unser aufrichtiger Respekt an den Mann, der drei Tage lang, jeden Tag 14 Stunden, unter dem Rollstuhl gesessen hat und die Finger bewegt hat. Legendär. Somit konnten wir die Aufnahmen wie geplant umsetzen und hatten nur noch mit dem Kamerastativ im Hals (der Puppe) zu kämpfen.

Das Kamerastativ im Hals – oder das Wunder der Postproduktion

Ja, das Kamerastativ im Hals. Hier haben wir lange überlegt wie wir das Grundproblem lösen wollen. In der realen Welt kann niemand seinen Kopf so drehen, dass er sich selbst in den Hals kuckt! In der Virtuellen Welt unseres 360-Grad-Videos geht das schon – und zwar ganz bewusst. Wir hätten auch die Bewegung einschränken können, doch wollten wir dem Zuschauer die maximale Freiheit lassen sich umzuschauen wie er möchte.

Wie wurde das „ich kann mir in den Hals kucken“ Problem nun gelöst?

Wir entschieden uns für das „leere Hülle mit Deckel“ Konzept. Der Pulli des Rollstuhlfahrers ist jederzeit zu sehen, doch wo der Hals sein müsste wurde in der Postproduktion alles mit schwarz ausgefüllt. Sieht im Film unspektakulär aus, ist aber in der Postproduktion ein gutes Stück hochintensive, digitale Zauberei.

Unser 360-Grad Video geht durch die Decke – 100.000 Views in einer Woche

Bescheiden wie wir sind hatten wir ja auf einen gewissen Effekt gehofft – doch was dann kam stellte alles in den Schatten. In den ersten Tagen nach dem Launch des Videos wuchsen die Views bei Youtube schnell in den sechsstelligen Bereich – die Hunderttausend Marke war geknackt! Ein kleiner Schritt für die Menschheit – ein großer Schritt für uns. Die Youtube Videos über die Achterbahnen haben zwar Millionen von Views – aber keines hat so schnell so viel Traktion gebracht und die Zuschauer so sehr in seinen Bann gezogen.

Mack Media, die Medienschmiede des Europa-Park und Schöpfer der Virtual-Reality Rides, bestätigte uns diese Zahlen und ist ebenfalls hochzufrieden mit der Performance des Videos. So soll es sein – ein voller Erfolg für alle Beteiligten und vor allem – es bewegt die Zuschauern, packt sie und zieht sie in seinen Bann.

Der Vorhang fällt – wir verneigen uns vor dem Team

Selten fiel es uns so leicht diese Aussage zu treffen und selten hat unserer Crew vor Ort ein Dreh soviel Spaß gemacht – auch bei Drehtagen von gerne mal mehr als 14 Stunden pro Tag! Die Menge an kreativen Professionals die zu dem Gesamtwerk beigetragen haben ist schier überwältigend.

Da hätten wir die eigens aus den USA angereisten Maskenbildner, die Schauspieler, die Regisseure von Flying Fist und Sachs Pictures, das Team des Europa-Parks und allen voran Mack Media – die mit Ihrem Gespür für innovative Medien auf Aspekteins gestoßen sind und ohne die dieses Projekt niemals entstanden wäre. Danke für das uns entgegengebrachte Vertrauen, wir freuen uns auf die nächsten 360-Grad-Filme mit euch!

Bitte nicht weitersagen – es bleibt spannend!

Der aufmerksame Leser wird sich jetzt vielleicht fragen, warum für eine Szene von einer Minute und Sechzehn Sekunden Länge drei Tage gedreht wurden und warum von nahezu 100 Menschen am Set die Rede ist. Nun ja… wir können an dieser Stelle nicht versprechen dass es weitere Aufnahmen geben wird, aber abstreiten wollen wir es auch nicht. In diesem Sinne – immer mit einem offenen Auge schlafen und spätestens zum Jubiläum der Horror Nights im kommenden Jahr mal einen Blick riskieren auf den Youtube Channel des Europa-Parks. You never know when the Boogeyman comes knocking.

 

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Sascha Reitermann
Dipl.-Inf. (FH) Sascha Reitermann verantwortet den Bereich der Produktionsleitung für Filmprojekte bei der Aspekteins GmbH, sowie die Konzeption digitaler Vermarktungsstrategien für Ihre Bewegtbildinhalte.

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