Augmented-Reality – Google bringt AR-Power zum Massenmarkt

 

Augmented Reality ist ein Ding. Nicht irgendeins, sondern das neue, bei dem alle Techies sich einig sind, dass es das nächste große wird. Wer aber will mit AR produktiv werden? Welche Art Produkte und/ oder Services brauchen Sie? Welche Plattform werden Sie nutzen? Was benötigen Entwickler und was brauchen diese, um großartige AR-Produkte herzustellen? Viele Technologie-Firmen wittern Gelegenheit und Geld bei der Möglichkeit bei diesen Fragestellungen mitzumischen. Aus diesem Grund veröffentlicht Google sein erstes Augmented-Reality-Entwickler-Kit ARCore.

Die Software arbeitet auf den neusten Android Phones und braucht keine spezielle Zusatz-Hardware. Kein Dual-Kamera-Setup ist notwendig, kein Project-Tango-Tiefensensor. Googles AR- & VR-Bestrebungen waren immer darauf fokussiert, für alle Anwender zu funktionieren. Derzeit werden zwar nur Googles eigene Pixel-Modelle sowie die Samsung-Galaxy-S8-Reihe unterstützt, aber mittelfristig soll ARCore auf 100 Millionen Android-Geräten ab Android 7.0 funktionieren – ein sehr passabler Start.

Das ARCore SDK (Software Development Kit) bringt für Entwickler drei Neuigkeiten mit:

  1. Ein sehr sensibles Motion-Tracking-System, welches die Sensoren und Kameras des Handys dazu benutzt, Virtuelle Objekte im Raum korrekt zu verankern. Es erkennt außerdem Tische, Flure und Wände, so dass man Objekte genau dort platzieren kann, wo man will und wo es sinnig ist.
  2. ARCore mappt und vergleicht außerdem die Beleuchtung,der unmittelbaren Umgebungt, was die Objekte wesentlich integrierter erscheinen lässt.
  3. Entwickler, die mit Unity und Unreal Engines arbeiten, können ARCore integrieren. Es können aber auch althergebrachte Lösungen wie Java oder OpenGL verwendet werden.

Zusammen mit Googles anderen Content-Creation-Tools wie Tilt Brush, Blocks und dem VPS (Visual-Positioning-Service), welcher AR in Weltskalierung – und nicht bloß in einzelnen Räumen – ermöglicht , hat Google damit ein überraschend komplettes Augmented Reality Setup.

 

Als Teil des Briefings zu den neuen Produkten wurden einige frühe ARCore-Demos zum Test angeboten. Zunächst wurde ein virtuelles Dorf auf einer realen Tischplatte in den Google Büros gebaut: Ein paar grüne Bäume, einige Häuser, ein Berg und zwei winkende Android Maskotchen. Ein Baum verschwand kurz, aber sonst blieb alles an seinem Platz. Das war sicherlich nicht die aufregendste Demonstration, obgleich um Hinblick auf zukünftige Anwendungsmöglichkeiten mehr als beeindruckend.

Weiterhin zeigte Nikhil Chandhok, der ARDirektor des Google-Produktes, eine adaptierte Version von Der Zauberer von Oz, originär eigentlich für Google Tango entwickelt. Ein Löwe, der Zähne fletschend lächelt, wurde mit akkurat abgestimmter Raumbeleuchtung und perspektivisch korrektem Schaatenwurf in die Ecke des Raumes gesetzt.

Die letzte Demo zeigte ARCores aufregendstes Potential: Chandhok präsentierte die Heim-Dekor-Seite Wayfair in einem experimentiellen Browser. Dieser Browser wurde dafür gestaltet, jedem zu ermöglichen, AR-kompatible Websiten zu erstellen. Er unsterstützt sowohl ARCore auf Android als auch ARKit auf iOS und sieht ganz nach der Zukunft von Chrome aus. Chandhok öffnet die Kamera im Browser und richtet sie auf den Boden aus. Er zeichnet einen Kubus auf den leeren Boden, um Wayfair die passenden Ausmaße des virtuellen Möbelstückes in Breite, Länge und Höhe vorzugeben. Wayfair platziert daraufhin einen Stuhl im Raum, um den Chandhok dann herumspazieren und ihn sich anschauen kann, als wäre er in seinem Wohnzimmer. Der Stuhl passt stilistisch zwar nicht perfekt, aber dennoch war die Demonstration ein voller Erfolg.

Nach wie vor steckt ARCore im Speziellen und Augmented Reality im Allgemeinen noch in den Kinderschuhen. Chandhok stellt heraus, dass wir uns mit der Komplexität vieler früher Mobile-Apps noch unter dem Niveau von Apps bewegen, die auf Knopfdruck Furzgeräusche erzeugen. „Wir sind nichtmal wirklich in der Fart-App-Ära von AR“, sagt er. Google sei allerdings nicht interessiert, wie genau die Zukunft in AR aussehen wird. Stattdessen fokussiert sich das Unternehmen darauf, Tools für die Leute zu erstelllen, die sich damit auseinandersetzen, wie man am besten AR in existierende und zukünftige Apps integrieren kann.

Google ist nicht das erste Unternehmen mit diesem Plan. Vor Monaten hat Facebook seine Plattform AR Studio bei seiner Entwicklerkonferenz angekündigt. Apple hat kurz darauf ARKit vorgestellt – und Entwickler bauen jetzt schon unterhaltsame Anwendungen mit Apples Software, noch bevor sie offziell überhaupt veröffentlicht ist. Und Microsoft arbeitet schließlich seit Jahren an verschiedenen Mixed-Reality-Lösungen (siehe Hololens oder Windows-Mixed-Reality).

Wenn man sich die Augmented-Reality-Landschaft ansieht, könnte man meinen, dass Google ein wenig spät zur Party gekommen ist. Aber Clay Bavor, Googles VP für Virtual Reality, denkt, das Unternehmen kann schnell aufholen. ARCore braucht nicht mal ein Software-Update, wenn es offiziell in diesem Winter erscheint – Sie werden einfach aufwachen und eine AR-Maschine haben, dort wo Ihr Smartphone war. Und mit der Entwicklung der Software könnte ARCore sogar Teil des populären Chrome-Browsers werden. In dieser Hinsicht kann Google skalieren wie niemand sonst.

Skalierung ist allerdings nicht immer ein Segen. Für Google besteht die Herausforderung vor allem darin,  AR-Werkzeuge für eine massive Vielfalt an Chips, Kameras und Software entwickeln zu müssen- im Gegensatz zu Apple, das mit seinem ARKit lediglich eine recht überschaubare Menge an unterschiedlicher Hardware bedienen muss. Weiterhin hatte Google lange Zeit Probleme, Entwickler für die neuen Systeme zu finden: Daydream VR hat nicht die Welt erobert und selbst mit Milliarden von Android-Nutzern kann es sich nicht mit dem iOS-Entwickler-Ecosystem messen.

Aber nochmals: Die Zeit von Augmented Reality hat gerade erst begonnen – für alle Beteiligten. In dieser neuen Mixed-Reality-Welt hat noch niemand das Rennen um die Marktführerschaft gewonnen. Chancen und Möglichkeiten eröffnen sich gerade erst.

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Nils Pollom
Nils Pollom
Nils Pollom studiert Netzkultur an der HBKSaar und forscht nach dem Puls der Multitude im Rahmen seiner Masterarbeit. Bei Aspekteins versucht er Trennschärfepunkte zwischen empathischer und identifikativer Narration aufzuschlüsseln.

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