Wenn jemand eine (virtuelle) Reise tut – dann gibt’s was zu erleben!

 

Eine junge Frau steht versonnen lächelnd auf der großen Terrasse eines Hotels in Südfrankreich und genießt den Sonnenuntergang. Nur wenige Augenblicke zuvor ist sie noch durch das kalifornische Death Valley spaziert und konnte aus sicherer Entfernung sogar ein paar verstohlene Blicke auf einen Puma erhaschen. Doch als sie die Brille absetzt und ihr Haar glatt streicht, befindet sie sich weder in Frankreich noch in den USA, sondern an einem Messestand auf der Internationalen Tourismusbörse, deren Besuch in den vergangenen drei Jahren immer wieder gezeigt hat, welch elementare Rolle Virtual-Reality- und  360°-Produktionenin der Tourismusbranche einnehmen. Auch in diesem Frühjahr ging der Trend in Berlin erneut ganz klar in Richtung VR (Aspekteins berichtete),  sodass es sich vor diesem Hintergrund durchaus lohnt, noch einmal zurückzuschauen und sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie sich die virtuelle Realität innerhalb der Touristik entwickelt hat.

Die Anfänge der Virtual Reality in der Touristik oder wie alles begann

 

Viele von uns haben diese Situation wohl leider schon erlebt: Der ebenso langersehnte wie dringend benötigte Urlaub ist nach schier endloser Wartezeit da und wir können endlich zu unserem Wunschziel aufbrechen. 5 Sterne, All-inclusive, beste Unterhaltung, hervorragende Gastronomie und nur einen Steinwurf vom traumhaft schönen Sandstrand entfernt – so wurde das Hotel in der bunt bebilderten Broschüre des Reiseanbieters zumindest beschrieben. Doch vor Ort dann der Schock: das Hotel nicht mehr als eine baufällige Ruine, der Strand kilometerweit entfernt und zu allem Überfluss auch noch verdreckt, das Essen nahezu ungenießbar. Die Enttäuschung ist da natürlich groß, eine Reklamation nur folgerichtig, aber aus dem ursprünglich schönen Erlebnis ist eine mühsame Belastung geworden. Wie schön wäre es gewesen, hätte es eine andere, eine zuverlässigere Möglichkeit gegeben, sich vorab ein Bild des angeblichen Luxushotels zu machen. Eine Möglichkeit, es mit den eigenen Augen zu sehen, mittendrin zu sein, durch verschiedene Räume zu gehen, sich die Umgebung anzuschauen.

Und letztendlich mögen es, neben anderen, genau diese Überlegungen gewesen sein, die 360 Grad-Videos im Bereich der Touristik ins Spiel gebracht haben. Eines der ersten deutschen Hotels, das seinen Gästen vorab einen virtuellen Rundumblick ermöglichte, war das Radisson Blue Hannover. Das Team der Aspekteins GmbH produzierte für den Kunden einen moderierten Film, der gleich zwei Highlights enthielt: mithilfe von Texteinblendungen innerhalb des 360 Grad-Videos erschuf Aspekteins eine Art Meta-Augmented-Reality. Der potentielle Gast sollte das Gefühl haben, nicht virtuell in eine andere Umgebung eingetaucht zu sein, sondern sich tatsächlich vor Ort zu befinden und dort mit zusätzlichen virtuellen Informationen angereicherte Räumlichkeiten zu entdecken. Darüber hinaus konnte Aspekteins eine Technologie zum Einsatz bringen, die dem Unternehmen innerhalb der Branche nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal verschafft, sondern bei Zuschauern auch regelmäßig einen „WOW-Effekt“ auslöst, nämlich spezielle Zeitraffer/Timelapse-Aufnahmen, die mit eigens entwickelten Kameras erstellt werden. Im konkreten Fall des Radisson Blue ging es darum, den Umbau eines Besprechungsraumes im Zeitraffer darzustellen, wozu mit mehreren Kameras  parallel Bilder aufgenommen und diese dann in der Nachbearbeitung zu einem Zeitraffer verdichtet wurden.

360°-Infotour Radisson Blu Hannover

 

Wer den Gästen 360 Grad-Videos seines Hotels oder seiner Destination zur Verfügung stellt, kann auf eine ganze Bandbreite an bislang eventuell ungenutztem Potenzial zugreifen. Man weckt Neugier, ermöglicht durch die Visualisierung von Informationen eine gezieltere Urlaubsplanung und räumt nicht zuletzt auch mögliche Bedenken der Besucher aus. Je nach Gestaltung des Video-Contents kann der Urlauber dazu eingeladen werden, sich intensiv mit den gezeigten Inhalten und damit auch mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen, sodass es bereits im Vorfeld der konkreten Buchung zu einer ausgeprägten Kundenbindung kommen kann. Ein weiterer Faktor, den es zu bedenken gilt, ist die Möglichkeit der Einbindung der 360 Grad-Technologie in alle großen Social-Media-Kanäle, was bedeutet, dass Gastronomen und Hotelliers, die auf die Technik setzen, die Chance haben, mit vergleichsweise geringem Aufwand eine enorm hohe Reichweite zu erzielen. Für diejenigen, die noch einen Schritt weiter gehen und ihre Kunden schon gleich zu Beginn des Erlebnisses an die Hand nehmen möchten, wäre auch eine Marketingmaßnahme denkbar, bei der vom Unternehmen gebrandete Cardboards ausgegeben werden, um eine noch intensivere Erfahrung zu ermöglichen.

Augmented Reality hingegen, eine Technik, mit der viele vor allem durch das Spiel Pokémon Go vertraut sind, wird innerhalb der Touristik in der Regel eher vor Ort als schon bei der Reiseplanung eingesetzt. Der Reisende spaziert also durch seinen Urlaubsort und erhält bei der Betrachtung bestimmter Gebäude und Sehenswürdigkeiten via Smartphone oder Tablet zusätzliche Informationen, die sich in die natürliche Umgebung einfügen, diese wird also digital erweitert und angereichert. Die Möglichkeiten bei der Auswahl an Informationen, mit denen man seine Gäste versorgen möchte, reichen dabei von reinen Informationen zur Geschichte eines Bauwerks bis zu Werbeangeboten oder Veranstaltungsankündigungen, mit deren Hilfe versucht werden kann, die nächsten Schritte des Urlaubers zu lenken. Eines der bislang bekanntesten AR-Tools ist Google Lens, das verschiedene Umgebungsinformationen über das Live-Bild der Handykamera anzeigt. Kombiniert man das Tool mit Google Translate, können Inhalte wie zum Beispiel Speisekarten sogar direkt übersetzt und digital angezeigt werden, sodass man sich am Urlaubsort auf der Stelle weniger fremd fühlt. Viele AR-Apps bieten dem Anwender aber nicht nur aktuelle Informationen, sondern ermöglichen es ihm, verschiedene Orte auch aus historischer Perspektive zu betrachten. So lassen sich mithilfe von AR über die heutige Ansicht des Doms zu Minden beispielsweise Bilder aus vergangenen Tagen legen, sodass nachvollzogen werden kann, wie sich das Bauwerk im Laufe der Geschichte entwickelt hat und die vertraute Umgebung plötzlich zum virtuellen Museum wird.

Quelle: www.marktplatz-digital.de

 

Nächster Halt: Immersion!

 

Nachdem sich die 360 Grad-Technologie in der Tourismusbranche rasant zum Standard entwickelte, der Markt für VR-Devices kontinuierlich wuchs und somit der Zugang immer leichter und vor allem auch erschwinglicher wurde, ging der Trend von 360-Grad-Videos, die in diesem Sinne als so genannte Brückentechnologie fungierten, zu „echten“ Virtual-Reality-Erlebnissen. Wer jetzt ob dieser Begrifflichkeiten stutzt und sich fragt, was denn eigentlich der Unterschied zwischen 360 Grad-Videos und Virtual Reality sein soll, findet in der unten stehenden Übersicht die wichtigsten Unterschiede grob zusammengefasst. Beiden Umsetzungsvarianten gemein ist der hohe Grad an Immersion, der Schlüssel für einen bleibenden Eindruck in den Köpfen der Zuschauer.

360-Grad vs. Virtual-Reality

360-Grad-Vides zeigen die reale Welt mit realen InteraktionenVirtual-Reality spielt sich in der digitalen Welt ab
360-Grad-Videos sind auf die Perspektive und Kamerabewegungen des Produzenten begrenztVirtual-Reality ist eine eigene Welt, in der man umherlaufen kann
360-Grad-Videos sind auf Basis einer Zeitabfolge des Videomachers produziertVirtual-Reality kann eine Abfolge von Situationen sein oder eine eigene Welt, die man entdecken kann
In 360-Grad-Videos kontrolliert der Produzent die Location und damit auch die StoryDer Anwender kontrolliert die virtuelle Welt, nicht der Produzent
360-Grad-Videos sind mobil und auf dem Desktop verfügbar, z.B. bei YouTube oder auf FacebookVirtual-Reality benötigt grundsätzlich eine VR-Brille, damit man die digitale Welt entdecken kann

Quelle: www.tourismuszukunft.de

Virtual Reality ist also definitiv mehr als eine „Hilfstechnologie„, um 360 Grad-Panoramen virtuell zu begehen. Es handelt sich um eine interaktive, simulierte Realität, die dem Anwender im besten Fall das Gefühl vermitteln soll, sich tatsächlich in dieser Welt zu befinden, wobei man von der so genannten Immersion spricht. Die Technologie und damit auch die qualitativen Möglichkeiten der Inhalte haben sich weiterentwickelt und der Tourismusbranche wurde mit VR ein hocheffizientes Marketing-Werkzeug an die Hand gegeben, mit dessen Hilfe sich schon vor dem eigentlichen Urlaub einzigartige Erlebnisse erschaffen und damit die Vorfreude auf die schönste Zeit des Jahres steigern lassen. Mit der The Grand Canyon VR Experience kann man sich zum Beispiel bequem von zu Hause aus auf die Reise durch den Grand Canyon begeben und kann dabei zwischen einer Tour bei Tageslicht oder bei Mondenschein wählen. Der Anwender befindet sich in einem Kajak und kann dort nicht nur die Geschwindigkeit des Trips bestimmen, sondern unterwegs sogar die Fische füttern. Einziges Manko: die Anwendung ist nicht fotorealistisch, sondern gänzlich computeranimiert, sodass man trotz der gegebenen Interaktionsmöglichkeiten leider nicht das Gefühl hat, sich tatsächlich vor Ort zu befinden, sondern eher ein Computerspiel zu spielen.

The Grand Canyon VR Experience

 

Anders sieht es da schon bei der kostenlosen Reise-App Realities aus. Die hier gezeigten Orte sind keine reinen 360 Grad-Ansichten, sondern interaktive, mittels Photogrammetrie erstellte Umgebungen, die vom Anwender erkundet werden können.

Photorealistic VR Scene from Realities.io

 

Um die Virtual-Reality aber langfristig gewinnbringend in der Tourismusbranche zu etablieren, muss der Anwender letztlich nicht nur von den visuellen Inhalten überzeugt werden, sondern auch der narratologische Gehalt der virtuellen Urlaubswelten ist durchaus noch ausbaufähig. Ein Ansatz bei der Produktion von Virtual-Reality-Inhalten, der sich beim Thema Urlaub, das sehr eng mit Erlebnissen, Erzählungen und Erinnerungen verbunden ist, besonders anbietet, ist das so genannte Hyperresponsive Storytelling. Statt das gewünschte Reiseziel nur als stiller Beobachter zu inspizieren und die Schönheit der Umgebung zu genießen, wird der Anwender zum Beispiel plötzlich aktiv in ein Abenteuer verwickelt, das er sogar selbst beeinflussen kann. Die Interaktionsmöglichkeiten sind dabei nicht immer offensichtlich und fördern so die Experimentierfreudigkeit des Zuschauers. Schon mit wenigen Varianten kann auf diese Weise der Eindruck einer genau auf die Handlung des Zuschauers zugeschnittenen Geschichte erzeugt und die überzeugende Wirkung der Virtual-Reality innerhalb der Touristik noch verstärkt werden.

360°-Destination-Marketing: Saarlandtourismus Baumwipfelpfad 360° Destination Marketing

Wenn auch Sie an den Möglichkeiten des Destination-Marketings interessiert sind und Ihr Reiseziel, Ihre Region oder Ihre Sehenswürdigkeit virtuell erlebbar machen möchten, können Sie die dafür benötigte Infrastruktur (VR-Workstations und Headsets) für einen Messeauftritt bei uns mieten und die Experten der Aspekteins GmbH gerne auf die Realisierung Ihres Projektes ansprechen. Wie das konkret aussehen kann, zeigt beispielhaft unsere Zusammenarbeit mit der Tourismuszentrale des Saarlandes, für die wir für den im Juli 2016 eröffneten Baumwipfelpfad an der Saarschleife ein 360-Grad-Video erstellt haben, um diesem einzigartigen Ausflugsziel auch außerhalb des Saarlandes zu Bekanntheit zu verhelfen. Wir freuen uns von Ihnen zu hören und gemeinsam mit Ihnen die Reise in virtuelle Welten anzutreten.

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Bildrechte: © rh2010 – fotolia.com

 

Patricia Jantschewski
Patricia Jantschewski
Patricia Jantschewski, M.A., studierte Germanistik und Komparatistik an der Universität des Saarlandes. Im Rahmen Ihrer Tätigkeit als Aspekteins-Bloggerin in Residence untersucht sie Virtual-Reality-Technologien hinsichtlich kultur- und mediengeschichtlicher Aspekte und identifiziert Berührungspunkte zwischen Geisteswissenschaft und neuen Medienformen und -formaten

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